28.05.2010
Klimabedingte Ernterückgänge
In den ersten drei Monaten des Jahres 2010 bewegte sich der Durchschnittspreise für Rohkaffee weiterhin auf hohem Niveau. Mit einem Wert von 125,3 US-Cent/Pfund lagen die Preise an den internationalen Rohstoffbörsen im März 2010 um 18 Prozent über dem Vorjahr (105,9 US-Cent/Pfund). „Die Kaffeepreise nähern sich wieder den Rekordwerten vor der Wirtschaftskrise.
Schwacher Euro-Kurs
Preistreibend wirkt neben schlechten Ernten in Zentralamerika und Vietnam vor allem der im Vergleich zum Dollar derzeit schwache Euro-Kurs“, fasst Kaffee-Experte Mag. Gerald Steger, Vorsitzender der Geschäftsführung von café+co, dem führenden Kaffee- und Automatencaterer in Österreich sowie Zentral- und Osteuropa, die aktuelle Entwicklung zusammen. Besonders bei Kaffee-Spezialitäten wie den auch in Österreich sehr beliebten milden kolumbianischen Arabica-Bohnen sind die Preissteigerungen enorm: Im März 2010 kostete ein Pfund dieser edlen Bohnen bereits über zwei US-Dollar (205,7 US-Cent), das ist um ein Drittel mehr als noch im Vorjahr (154,2 US-Cent/Pfund).
Rekordschwankungen
Zu schaffen macht der Kaffee-Branche auch die starke Schwankungsbreite der Rohkaffee-Preise. Allein im Monat März schwankte der Durchschnittspreis zwischen 130,3 und 121,9 US-Cent/Pfund. Bei einzelnen Kaffee-Sorten wie etwa „Sonstigen Arabicas“ (Arabica-Bohnen, die weder aus Kolumbien noch Brasilien stammen) waren die Preisausschläge sogar noch stärker ausgeprägt: Hier belief sich der höchste im März gezahlte Preis für ein Pfund auf 170,4 US-Cent, der niedrigste hingegen auf 160,1 US-Cent. Der Grund: Immer neue Nachrichten von klimabedingten Ernterückgängen.
So führten Missernten im Gefolge des „El Nino“-Phänomens dazu, dass Vietnam, nach Brasilien das zweitgrößte Kaffeeproduktionsland der Welt, seine Ernteprognose für das Erntejahr 2009/10 von 18 Millionen auf 17 Millionen Sack reduzieren musste. Auch zentralamerikanische Produktionsländer wie Kolumbien, Costa Rica oder Nicaragua verzeichneten Ernteeinbußen durch widrige Witterungsbedingungen.„Als besonderer Kostentreiber für die europäische Kaffeebranche kam der im Vergleich zum Dollar schwache Euro-Kurs hinzu. Weil Rohkaffee in US-Dollar gehandelt wird, kam es dadurch zu einer relativen Verteuerung.“, erläutert Steger.
Rohkaffee bleibt teuer
Für 2010 rechnet Steger mit weiterhin hohen Kaffee-Preisen: „Die jüngste Stabilisierung des Euro gegenüber dem Dollar ist vor allem für die Konsumenten-Preise von entscheidender Bedeutung, denn der Euro/Dollar-Kurs beeinflusst neben den Rohkaffeepreisen auch Energie- und Logistikkosten. Da jedoch der Kaffeeverbrauch weltweit weiter steigt und die Lagerstände von Händlern und Röstern relativ niedrig sind, wird das Preisniveau 2010 nach derzeitigem Stand hoch bleiben.“
Mittelfristig könnten nach Meinung des café+co-Chefs zahlreiche neue Anbaugebiete in Fernost, sprich Asien, für einen echten Ausgleich der klimabedingten hohen Ernteausfälle sorgen und somit zu einer wirklichen Entspannung an der Preisfront beitragen. Gerald Steger meint dazu: „Immerhin ist zum Beispiel Indonesien mit einer Jahresproduktion von 10,7 Mio Sack bereits zur Nummer drei der Anbauregionen aufgestiegen und hat somit Kolumbien überholt. Dieser Effekt wird jedoch mit Sicherheit nicht mehr im Erntejahr 2010/11 spürbar werden.“

CAFEJOURNAL
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