15.07.2010
Café Museum sperrt wieder auf
Das Wiener Traditionskaffeehaus Café Museum hat einen neuen Pächter: Berndt Querfeld. Der entsprechende Vertrag mit attraktiver Laufzeit konnte vor kurzem unterzeichnet werden. Damit ist der Fortbestand des legendären Café Museums abgesichert. Die Wiedereröffnung ist für diesen Herbst geplant.
Mit Berndt Querfeld konnte ein wirtschaftlich erfolgreicher Cafétier mit großem Branchen-Know-how gewonnen werden, so Prof. Alexander Rokitansky von der Besitzerfamilie des Kaffeehauses. Die Ausgangssituation eines leer geräumten Lokals machte es laut Rokitansky erforderlich, ein Investitionspaket zwischen Querfeld und der Besitzerfamilie auszuverhandeln und zu schnüren. Damit steht der Wiedereröffnung des Café Museums nun nichts mehr im Wege.
Berndt Querfeld betreibt mit seiner Familie die Traditionscafés Landtmann, Mozart, Hofburg sowie das Café Residenz in Schönbrunn und startet ab sofort mit den Umbaumaßnahmen im Café Museum. „Wir wollen die Tradition wahren und dennoch die Zukunft begehen. Deshalb haben wir uns entschlossen, keine Experimente zu machen und dem Café Museum seine Gemütlichkeit zurück zu geben“, erläutert Querfeld anlässlich der Pressekonferenz vom 7. Juli 2010.
Das Investitionsausmaß in die Einrichtung und Neumöblierung beziffert Querfeld mit rund einer halben Million Euro. Zu den bedeutsamsten Neuerungen zählt die Installierung von bequemen Sitzlogen. Auch eine neue Qualität der Öffnungszeit von 7.30 bis 24 Uhr wird es geben. Das Kaffee- und Speisenangebot wird nicht nur erstklassige Kaffeespezialitäten, traditionelle Kaffeehausschmankerln – von der Schinkenrolle bis zum Tafelspitz – umfassen, sondern auch die köstlichen, hausgemachten Mehlspeisen aus Landtmanns Feiner Patisserie beinhalten. Die Kapazität des Café Museums ist für rund 200 Gäste dimensioniert.
Wiens Kaffeehauslandschaft
Obwohl mit rund 2600 Lokalen die Zahl der Wiener Kaffeehäuser seit Jahren konstant bleibt, ist die Branche laufend in Bewegung. Jedes Jahr wechselt etwa ein Fünftel der Cafés seinen Betreiber und bringt neue Impulse für die Wiener Gastronomie. Gleichzeitig steigt der Bedarf an Finanzmitteln, da die Übernahme eines Cafés mit hohen Kosten für Umbauten und Neuanschaffungen verbunden ist.
Allein im ersten Halbjahr dieses Jahres haben sich mehr als 400 Gastronomen – viele davon Cafétiers – beim Förderreferat der Wirtschaftskammer Wien über Kredit- und Fördermöglichkeiten informiert. Mit der vor kurzem gemeinsam mit der Stadt Wien aufgestockten Kleinkreditaktion bietet die Wirtschaftskammer Wien unbürokratische und rasche Hilfe für Jungunternehmer, Gründer und Übernehmer, um ihnen den Start einer erfolgreichen Karriere als Cafétier zu ermöglichen.
„Die Wiener Cafés liegen der Wirtschaftskammer besonders am Herzen, denn die Kaffeehäuser sind aus der Wirtschaft ebenso wenig wegzudenken wie aus dem Leben der Stadt“, sagt Brigitte Jank, Präsidentin der Wirtschaftskammer Wien. Und Jank weiter: „Viele geschäftliche Besprechungen und Termine werden kurzerhand im Café erledigt. Und diese Wiener Eigenart wirkt sich immer wieder positiv auf Geschäftsabschlüsse auch mit internationalen Kunden aus. Die Fortführung des Café Museums trägt dazu bei, die Wiener Kaffeehauskultur zu stärken und den Imagefaktor für Wien und die Wiener Wirtschaft als Tourismusstadt zu festigen.“
Gemütlichkeit als Qualitätsfaktor
Der Grundstein für das Café Museum wurde 1898 gelegt, als Adolf Loos die Planungsarbeiten für die Innenausstattung aufnahm. Eröffnet wurde das Kaffeehaus 1899.
Der in Brünn als Sohn eines Bildhauers am 10. Dezember 1870 geborene Adolf Loos fand seinen Platz in der Geschichte als Wegbereiter der klassischen Moderne. Sein bekanntestes Bauwerk, das Looshaus, ziert noch heute den Wiener Michaelerplatz. Einen Achtungserfolg brachte dem Architekten die Innenausstattung des Café Museums ein.
Im Gegensatz zu der damals vorherrschenden ornamentalen Kunstrichtung der Wiener Secession setzte Loos auf Einfachheit und klare Formen. Er verzichtete auf jegliches dekorative Beiwerk, das Anfang des 20. Jh. von der Bevölkerung als revolutionär eingestuft und mit Interesse verfolgt wurde. Das Café Museum wurde bald zum beliebten Treffpunkt für Künstler, Literaten, Maler und andere Persönlichkeiten. Gustav Klimt, Oskar Kokoschka, Egon Schiele, Robert Musil verkehrten im Café Museum ebenso wie Karl Kraus, Peter Altenberg, Franz Lehar oder Otto Wagner.
Anfang 1930 wurde die Innenausstattung des Kaffeehauses vom Architekten und Designer Josef Zotti verändert. Er war ein Schüler des legendären österreichischen Architekten und Designer Josef Hoffmann. Zotti setzte der Loos’schen Einfachheit die Gemütlichkeit mit Sitzlogen und Bänken entgegen. Und die Gäste nahmen diesen Wandel an. Die Gemütlichkeit im Kaffeehaus wurde zum Qualitätsfaktor. 2003 kam es zu einer Rückkehr ins Einfache. Bugholzsessel ersetzten Bänke und Sitzlogen. Das irritierte so manchen Stammgast. Ende 2009 musste das Café Museum geschlossen werden. Und es drohte das Aus eines weit über hundert Jahre bestehenden Wiener Traditionscafés.

CAFEJOURNAL
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