23.09.2009
Schanigarten versus Citystrand
Von Irene Stelzmüller
Die Kaffeehäuser sind unverrückbar - und wer keinen Schanigarten hat, muss während der Sommermonate mit Umsatzeinbußen leben - die Bevölkerung zieht es hinaus an die Citystrände und in die eigens errichteten Sommer-Szenelokale. Die beiden Wiener „Sandkistenspieler“, die Betreiber der Strandbar Herrmann am Donaukanal unterhalb der Urania, Rudi Konar und Alexander Kaiser, betreiben ein Kaffeehaus. Sie haben von den Kaffeesiedern die Einladung bekommen und angenommen und berichte beim nunmehr sechsten Kaffeesieder-Stammtisch über ihre Erfahrungen mit der Freiluftgastronomie.
Sommerloch
„Als wir 2003 in Berlin waren, haben wir die Strandbar Berlin-Mitte kennengelernt und beschlossen, das wollen wir auch machen. Wir haben ohne Beziehungen unser Projekt der Stadt Wien vorgestellt; zwei Jahre später haben wir die Strandbar Herrmann eröffnet, haben aber erst 2008 die Betriebsanlagengenehmigung bekommen“, erzählt Rudi Konar. Fünf Monate hat die Bar geöffnet. „Wir haben heuer bereits Mitte April aufgesperrt und werden Ende September zusperren. Im Grunde genommen leben wir von etwa zwei Monaten Schönwetter-Geschäft. Im April, wenn die ersten heißen Sonnentage sind, merkt man, wie es die Leute hinauszieht, aber ist es so wie im letzten Jahr, wo wir im August zehn Grad hatten, haben sie mit dem Sommer abgeschlossen, egal ob es im September noch 30°C hat. Und auch wir spüren mehr und mehr das berühmte Sommerloch“, meint Konar. Konar und Kaiser hätten gerne noch einen Ganzjahres-Betrieb zusätzlich zur Strandbar Herrmann, weil Personal zu finden und zu halten nicht so einfach ist.

An dieser Stelle meinte ein Kollege, dass die Leute immer unverschämter werden, sich sogar schon in den Schanigarten das Essen mitbringen und wollte wissen, wie sie dies handhaben. „Wir haben Security-Leute, die herumgehen und schauen, dass die Leute keine Getränke oder Kühlboxen von außen hereinbringen.“
Getränke mitbringen, verboten
Aber wir wissen auch, dass Leute bei uns acht Stunden im Liegestuhl sitzen und nichts konsumieren–„wie im Kaffeehaus“, wirft ein Kollege ein. Aber es hat in dieser Hinsicht noch keine Probleme gegeben, und die Gäste sehen ein, dass sie keine mitgebrachten Getränke konsumieren dürfen“, antwortet Rudi Konar.
Betreffend Konkurrenz am Kanal meinen die beiden nur, Strandbar ist nicht gleich Strandbar. Einfach nur Sand aufschütten und ein paar Liegestühle hinstellen macht noch keine Strandbar Herrmann. „Wir sind so ausgerichtet, dass man den Sonnenuntergang genießen kann und man hat „nur“ für uns den Uniqua-Tower mit seinen Lichtspielen gebaut – es ist nun mal ein einmaliger Platz“, meint Konar. Anders als in einem Schanigarten sind die laufenden Investitionskosten deutlich höher. Der Sand und die Witterung setzen der Einrichtung zu.
„Ein Kaffeehaustisch wie hier im Landtmann hält ewig und die Sesselbespannung auch länger als eine Saison. Ständig muss irgendwas gestrichen oder die High-Fi-Anlage erneuert werden. Wir haben heuer bereits 80.000 Euro in die Bar investiert“, erklärt Rudi Konar.
Alexander Kaiser und Rudi Konar verraten ihre Umsatzzahlen natürlich nicht, aber sie können beide mit ihren Familien die restlichen sieben Monate davon leben und füttern auch den Geschäftsführer durch. „Wer glaubt, ich sei im Winter in der Karibik, der irrt. Es fällt mehr Arbeit im Winter (Planung der nächsten Saison oder Events) gegenüber dem Sommer an, weil wenn einmal aufg’sperrt ist, läuft´s sowieso.“




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